Der Hörsinn ist der einzige unserer Sinne, der immer aktiv ist – selbst während wir schlafen. Geräusche können beruhigend wirken oder positive Emotionen wecken, doch sie können auch belastend und unangenehm werden. Hier sind einige wichtige Fakten über Geräuschempfindlichkeit und ihre Auswirkungen.
1. Alles zu viel: Hyperakusis
Hyperakusis bezeichnet eine Überempfindlichkeit gegenüber alltäglichen Geräuschen. Normale Umweltgeräusche werden dabei verstärkt wahrgenommen und als unangenehm empfunden. Die häufigste Ursache dafür ist Stress, der wiederum durch Geräusche selbst verstärkt werden kann, wodurch ein Teufelskreis entsteht. In etwa 30 % der Fälle ist Hyperakusis mit Tinnitus verbunden oder tritt als Vorläufer auf. Die gute Nachricht: Hyperakusis lässt sich behandeln. Neben einem gezielten Hörtraining müssen vor allem die auslösenden Stressfaktoren reduziert werden.
2. Hass auf Geräusche: Misophonie
Bei der Misophonie (griechisch: „Hass auf Geräusche“) reagieren Betroffene aggressiv auf bestimmte Geräusche. Das können alltägliche Klänge wie das Kauen, Schlucken oder auch das Duschen eines Nachbarn sein. Je stärker die Abneigung, desto präsenter und lauter erscheint das Geräusch, was die Situation weiter verschärft. Diese Störung ist stark emotional verankert, weshalb eine Verhaltenstherapie oft die einzige Lösung ist. Voraussetzung ist allerdings, dass die Betroffenen sich ihres Problems bewusst sind.
3. Angst vor Geräuschen: Phonophobie
Phonophobie unterscheidet sich von Misophonie dadurch, dass Betroffene nicht aggressiv, sondern ängstlich auf bestimmte Geräusche reagieren. Diese Angst entsteht oft durch eine Konditionierung, bei der bestimmte Geräusche unbewusst mit negativen oder traumatischen Ereignissen verknüpft werden. Die Therapie umfasst meist eine Kombination aus Hörtraining, Stressbewältigung und Verhaltenstherapie, um die Angst vor Geräuschen schrittweise abzubauen.
Geräusche beeinflussen uns mehr, als wir oft vermuten. Ob es um Überempfindlichkeit, Angst oder Abneigung geht – unsere emotionale und mentale Gesundheit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Mit gezielten Therapien und Stressreduktion lassen sich diese Störungen jedoch erfolgreich behandeln.